Baden-Württemberg e.V. Region Karlsruhe

Altenpflege

Qualität in der Altenpflege: Vier Fragen an Ute Renner

Menschen, die Pflege brauchen, und deren Angehörige, die ein Heim oder einen ambulanten Dienst suchen, stehen vor Fragen. Fragen, die schnell eine Antwort erfordern. Und sie stehen vor einer Situation, die neu für sie ist. Sie fragen sich: Woran erkenne ich, dass ich in guten Händen bin? Dass meine Mutter, mein Vater so unterstützt, gepflegt und betreut wird, wie es nötig ist und so, dass er oder sie sich wohlfühlen kann.

Ute Renner, links im Bild, ist beim ASB Region Karlsruhe verantwortlich für das Qualitätsmanagement der sozialen Dienste. Sie kennt die Vorgaben und kann sich ebenso gut in die Lage der Bedürftigen versetzen.

Frage 1 | Frau Renner, zum Thema Qualität gibt es sicher mehr als ein Gesetz, mehr als ein Lehrbuch und eine Theorie. Doch was bedeutet Qualität in der Praxis?

Qualität bedeutet ganz praktisch, dass die Menschen medizinisch gut versorgt sind, dass sie gut gepflegt und betreut werden. Unsere Fachkräfte sind fachlich „up to date“, sie sorgen für das Nötige und mehr. Vieles geschieht hinter den Kulissen. Ein Pfleger prüft mit Sorgfalt, ob die Medikamente aus der Apotheke stimmen. Eine Wunde wird fachgerecht verbunden. Mit der Küchenleitung wird besprochen, was der Bewohner gerne isst. Die Ergotherapeutin stellt Angebote im Wochenrhythmus auf die Beine, backt zum Beispiel Waffeln mit den Bewohnern, geht mit ihnen auf die Mess‘ oder in den Zoo. Feste feiern wir mit den Angehörigen gerne gemeinsam.

Frage 2 | Und wenn Sie selbst einen Pflege-Anbieter etwa für Ihre Mutter suchen: Wie erkennen Sie, was für Ihre Familie passend ist?

Als erstes würde ich mir im Internet die Ergebnisse des Medizinischen Dienstes der Kassen (MDK) anschauen. Als zweites würde ich einen Termin machen mit dem Leiter, der Leiterin des Hauses oder des Anbieters. Denn es geht nichts über einen persönlichen Eindruck. Die Chemie muss stimmen. Werde ich mit meinen Anliegen gesehen und ernst genommen, versteht man mich? Dann ist wichtig: Gehen die Mitarbeitenden auf die Bedürfnisse meiner Mutter ein? Und ich freue mich, wenn man mir gleich einen Rundgang durchs Haus anbietet. Sind dann die Räume auch noch hell und freundlich, passt das. Für die Häuser des ASB legen wir hierauf Wert.

Frage 3 | Was hat der ASB für die Pflege in der Region Karlsruhe in punkto Qualität zu bieten? Was nehmen Sie für sich in Anspruch?

Vor allem: gut ausgebildete Kräfte. Unsere Leute haben das „Ticket“ für die Pflege bzw. die soziale Betreuung, in Theorie und Praxis. Sich jedes Jahr mindestens zwei Tage fortzubilden ist Standard. Oder denken Sie an Menschen mit Demenz: Auch hierzu richtet unser Landesverband Baden-Württemberg Kurse zum speziellen Umgang mit diesen Menschen aus. Zweitens zählen für uns gute und enge Kontakte zu den Haus- und Fachärzten. Das Dritte ist: ein Ohr auch für den Lebenspartner, die Kinder, andere Angehörige und Freunde. Sie treffen im Heim auf Mitarbeitende, die mit ihnen die Sorge um das Wohlergehen des Bewohners teilen.  

Frage 4 | Und wie gewährleistet der ASB diese Kriterien für Qualität? Wie ist das organisiert, damit ein Konzept auch auf Dauer greift?

Mit regelmäßiger Reflexion. In unseren Qualitäts-Zirkeln nehmen wir uns Punkte auf allen Ebenen und Haus übergreifend vor. Das heißt, da kommen einmal Heim- und Pflegedienstleitungen in einer Runde zusammen, dann die Pflegefachkräfte, die Hauswirtschaftsleitungen oder die Mitarbeiter in der sozialen Betreuung. Und so schauen wir regelmäßig: Was war der Ansatz? Halten wir das auch ein? Wenn nein: warum nicht? Wo bessern wir nach und wie?

In einer solchen Runde haben wir uns, als Beispiel, Gedanken zum Thema Sterben gemacht. Ein wichtiges und sensibles Thema. Wie ermöglichen wir es Angehörigen, in Ruhe Abschied zu nehmen in den letzten Stunden? Denken wir daran, ihnen einen Kaffee anzubieten und einen bequemen Stuhl ins Zimmer zu stellen? Sind sie dort ungestört? Diese Fragen entwickeln wir gemeinsam, um dann auf das zu kommen, was für uns beim Thema Qualität ganz praktisch zählt.